Jahreskonzert 2004
03.04.2004

MUSIKVEREIN WESTHAUSEN / Doppelkonzert mit dem Fanfaren- und Musikzug Lippach

Junge Frauen geben den Ton an

Die Gäste des vor 25 Jahren gegründeten Fanfaren- Und Musikzugs Lippach bekamen beim Doppelkonzert in der Turn- Und Festhalle den konzertanten Vortritt. Und als die Gastgeber des Musikvereins Westhausen zu den Instrumenten griffen fanden sich bald alle Erwartungen übertroffen, die dem Debüt des neuen Dirigenten Reinhard Langer voraus gingen.

WESTHAUSEN    nur die Landsknechtstrommeln zur Eröffnung mit dem "Schwedischen Reitermarsch" erinnerten an den "Fanfarenzug", mit dem die Lippacher vor allem bei Festzügen imponieren. Aber schon als der "Carmen-Marsch" aus der Oper von Georges Bizet erklang war klar, dass Dirigent Hans-Jürgen Stein konzertante Musik "als tägliches Brot" eingeführt hat. Flügelhörner und Trompeten passierten schwierige Läufe und überzeugten bei der Ouvertüre "Klingendes Land" von Sepp Tanzer mit feinen Solis. "Second Waltz" von Dimitri Schostakowitsch vermittelte Wiener Walzerseeligkeit, im Gegensatz zum Sound des 20. Jahrhunderts. Hierfür stand ein "Medley for Band" mit Ohrwürmern des legendären amerikanischen Komponisten Paul Simon.
Musiker der Kapelle sagten die Titel an und erzählten auch Hintergründiges zu den Komponisten, wie dem zeitgenössischen Niederländer Dizzy Stratford, den die Fugen von J. S. Bach inspirierten als er "Wonderful Invention" für ein Blasorchester komponierte. Der Applaus galt auch ihrem Dirigenten Jürgen Stein, der den noch jungen Verein zum 25-jährigen Jubiläum musikalisch herausputzte und auch blasmusikalische Klassiker zu interpretieren lehrt.
Seit knapp einem Jahr leitet Reinhard Langer den Musikverein Westhausen und viele im Publikum waren gespannt "wie's der wohl macht". Als dieser ans Pult trat wusste der aufmerksame Zuhörer bald, dass hier auch "die Konzertmeister" sitzen. Das Programm, mit der Ouvertüre zu "Dichter und Bauer" von Franz von Suppé als konzertantem Mittelpunkt, waren auf Klarinetten- Melodie-Führung ausgerichtet und hier haben in Westhausen junge Frauen das musikalische Sagen. In der ersten Stimme Manuela Neukamm, Carmen Beck und Andreas Mayr, letzterer der einzige männliche Bläser im gesamten Register.
Dirigent Reinhard Langer hatte die Kapelle im Griff wie kaum einer seiner Vorgänger. Wenn sich der hoch gewachsene Mann zu einem Register neigte folgte ein Decrescendo und umgekehrt genügte das Anheben der Hände als Signal zum Aufbau eines Fortissimos. Ein wunderbarer Melodienreigen mit vielen Stilen, von der böhmischen Polka bis zu "Soul Bossanova", umfasste das Programm. Dies hatte Erika Reinhard hinterfragt und ihre Programmansagen gereichten zur anschaulichen Musikgeschichtsstunde.
Wen wundert's da, dass Begeisterungswogen die Halle erfüllten und Fans ins offene Swing-Soli von Michael Wanner (Trompete) und Bernd Neukamm (Posaune) applaudierten. Klassisch schloss sich der Reigen mit dem "Florentiner Marsch" von Julius Fucik.
Dann vereinigten sich die beiden Orchester mit "Spiritual Moments" und als Zugabe bekräftigte der Titel eines Marsches, den Jürgen Stein dirigierte, was man für beide Orchester spürte "In Harmonie vereint".
fm

 

© Schwäbische Post 5.4.2004

 

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